#43 Movement Culture: Bewegung wiederentdecken
Shownotes
Rund 80 Prozent der Menschen in Deutschland erreichen die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Bewegungsziele nicht. Dabei rät die WHO zu lediglich 150 Minuten moderater Bewegung oder 75 Minuten intensiver Bewegung pro Woche. Ist es also Zeit, Bewegung neu zu denken? Die Movement Culture bricht mit klassischen Fitness-Vorgaben: Sie lädt dazu ein, Bewegung wieder als etwas Natürliches zu begreifen – ohne Stoppuhr, dafür mit mehr Achtsamkeit für die eigene Mobilität. In dieser Folge spricht Martin Hoffmann mit dem Sportwissenschaftler Stephan Scheel vom SpOrt Stuttgart darüber, warum Qualität wichtiger ist als Quantität. Außerdem trifft er Parkour-Experten Andy Haug, der zeigt, wie sich die eigene Umgebung ganz selbstverständlich zum Trainingsraum machen lässt.
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Links zum Thema: Mehr Informationen zum Schwäbischen Turnerbund und zum SpOrt Stuttgart: https://www.stb.de/ https://www.sportstuttgart.de/
Hier gibt’s mehr Details zu Andy Haug: https://www.andy-haug.com/ https://www.instagram.com/andyhaugparkour/
Weitere Informationen zum Thema Movement Culture: https://www.zukunftsinstitut.de/zukunftsthemen/movement-culture-die-wiederentdeckung-des-koerpers https://www.deutschlandfunkkultur.de/movement-practice-bewegung-100.html
Zu den Bewegungsempfehlungen der WHO gelangt ihr über folgenden Link: https://www.who.int/europe/de/news/item/30-10-2023-physical-activity-benefits-workplaces-highlights-new-who-guide-for-small-and-medium-businesses
Transkript anzeigen
Intro: Unterwegs für die Gesundheit – GESUNDNAH, der Podcast der AOK Baden-Württemberg.
Martin Hoffmann: Neulich war ich im Stuttgarter Süden unterwegs. Auf einmal kommen mir bestimmt 50, wenn nicht sogar noch mehr Leute laufend oder joggend entgegen. Alle in schicken Sportoutfits. Sehr, sehr stylisch. Die ersten richtig schnell, die nächsten dann etwas entspannter. Da kam irgendwie eine positive Stimmung rüber, aber schon auch ambitioniert irgendwie. In Stuttgart gibt es bestimmt schönere Laufstrecken, aber ich hatte das Gefühl, darum geht es hier gar nicht. Nach ein paar Minuten habe ich die meisten dann auch wieder getroffen. Sie standen alle vor einem Kaffee, hatten eine Tasse in der Hand und haben Zimt-Schnecken gegessen. Runs and Rolls nennt sich das und ist Teil der Movement Culture. Zugegeben, ich musste das auch nachfragen, Movement Culture, den Begriff, den kannte ich so nicht. Ich bin Martin Hoffmann und heute dreht sich alles um diese neue Form der Bewegung abseits von Vereinmitgliedschaften und Leistungsdruck. Ich habe gelesen, dass es dabei nämlich nicht nur um die körperliche Fitness geht, sondern auch um Wahrnehmung, Präsenz und Verbundenheit mit dem eigenen Körper. Vor allem ist das Gemeinschaftsgefühl extrem wichtig. Was hinter dieser neuen Bewegungskultur steckt, das will ich heute herausfinden. Ist das jetzt ein neuer Trend unter vielen oder ist die Movement Culture gekommen, um zu bleiben? Und wie kann sie vielleicht auch helfen, Gesundheit neu zu denken? Bei Instagram bin ich auf Andy Haug gestoßen. Er ist Parkour- und Freerunning-Profi aus dem Schwarzwald und startet bei internationalen Wettkämpfen. Er hat aber auch zwei Jahre in Thailand gelebt und dort als Stuntman für Film- und Kinoproduktionen gearbeitet. Wenn ihr seht, wie der Kollege sich bewegt, das ist wirklich wahnsinn. Schaut euch das auf jeden Fall mal auf seinem Instagram-Profil an, verlinken wir in den Shownotes. Bei Andy merkt man sofort, dass Parkour für ihn mehr als nur ein Sport ist. Das geht definitiv in die Richtung Lifestyle und Urban Culture. Ich freue mich wirklich sehr auf das Gespräch. Bevor ich aber in den Schwarzwald fahre, geht es für mich nach Stuttgart zum schwäbischen Turnerbund. Hier bin ich mit Stephan Scheehl verabredet. Er ist Sportwissenschaftler und leitet den Geschäftsbereich Kinder-, Jugend- und Freizeitsport. So, ich bin jetzt in Stuttgart Bad Cannstatt zwischen dem Deutschen Olympischen Sportbund und dem Stadion des VfB Stuttgarten. Und hier bin ich mir Stephan Scheel verabretet bei SpOrt Stuttgart. Kleines Wortspiel an der Stelle: der Sport Ort Stuttgart. So, jetzt bin ich hier drin und okay das ist deutlich größer als ich mir vorgestellt hätte. So Stephan, hallo!
Stephan Scheel: Grüß Gott, Martin! Schön, dass du da bist im SpOrt Stuttgart.
Martin Hoffmann: Stephan, der Begriff Movement Culture, den hört man immer häufiger. Sag mal, was steckt da genau dahinter? Was ist Movement Culture?
Stephan Scheel: Ja, Movement Culture ist natürlich, so wie wir es kennen, zunächst mal eine jugendliche Bewegung, die sich entwickelt hat, weil junge Menschen gesagt haben, das, was sich im Sport an angebotenen Bewegungen findet, das sagt mir nicht mehr zu, das trifft nicht mein Bedürfnis. Und dahinter steckt vielmehr tatsächlich das Bedürfenis nicht normiert, sich zu bewegen, wie das vorgeschrieben ist, sondern tatsächlich, sich Freiraum zu geben, und sagen, ich probiere einfach aus und ich schaue mal, was an Bewegung möglich ist.
Martin Hoffmann: Also was heißt genau normiert? Also normiert in einer Form, dass ich jetzt in einem Verein bin und Trainer, Trainerin mir genau vorgeben, was ich wie machen soll oder wie ist normiert gemeint?
Stephan Scheel: Normiert ist natürlich das Thema Sportarten. Dort haben wir klare Spielregeln, dort haben wir klare Vorgaben. Wie muss eine Bewegung aussehen? Wie muss ein Regel ausgeführt werden? Wie muss ich einen Wurf machen, um den Ball in den Korb zu werfen? Und dort gibt es entsprechende Vorgaben sozusagen. Und die Bewegung muss möglichst exakt und optimal ausgefüllt sein.
Martin Hoffmann: Jetzt, finde ich, kann man immer häufiger beobachten, dass sich Menschen eigentlich deutlich mehr bewegen und auch sehr, sehr viel bewegen. Aber dass das nicht immer sofort auch gesund ist, also viel Bewegung heißt ja nicht gleich gesund. Warum ist das so?
Stephan Scheel: Naja, zunächst einmal mehr bewegen muss man relativieren. Wir organisieren heute unsere Bewegung. Das heißt, auf der einen Seite reduzieren wir unsere Bewegungen im Alltag, drastisch. Und auf der anderen Seite organisieren wir Bewegungen, indem wir ins Studio gehen, ins Vereinsangebot gehen, indem wir zu zeitlich genau definierten Punkten an der Stelle auch sagen, jetzt tu ich was für mich, für meine Fitness, für was auch immer. Und das ist sozusagen mal auf der einen Seite die Beschreibung des Organisierens der Bewegung und auf der anderen Seite aber das Reduzieren tatsächlich, und das ist die wesentliche Frage im Alltag, diese Reduzierung und die ist tatsächlich drastisch. Warum? Jetzt muss man sich mal nur unseren Alltag anschauen. Man muss sich deinen Alltag ansehen, man muss sich meinen Alltag ansauen. Wie komme ich hierher? Wie komme hier ins Büro? Ich sitze im Auto, weil öffentliche Verkehrsmittel möglicherweise keine gute Alternative sind. Ich sitze. Ich brauche mindestens eine Stunde, in der ich sitze, hin, zurück. Sind zwei Stunden im Alltag. Was kommt dazu? Dann sitz ich hier im Büro. Dann sitze ich in Sitzungen. Das heißt, der Alltag hat sich so verändert, dass wir tatsächlich immer mehr sitzen, dass wir immer mehr die Bewegung aus unserem Alltag rausnehmen. Das ist die Problematik, das ist die Herausforderung.
Martin Hoffmann: Und das kann man dann eigentlich auch nicht mehr aufholen, wenn man jetzt mal eine Stunde Sport noch irgendwie alle zwei, drei Tage einbaut, oder?
Stephan Scheel: Wir können mit dem, sagen wir mal, ein-, zwei-, dreimal in der Woche, können wir bestimmte Dinge erhalten. Aber wenn es darum geht, gesunde Bewegung nachher zu haben, wieder eine funktionelle Bewegung zu haben. Dann brauch ich im Alltag viel mehr Bewegung. Viel mehr als das, was sie tun. Ich muss mich täglich eigentlich viel mehr bewegen als das die meisten Menschen inzwischen tun, weil ihr Alltag so strukturiert ist.
Martin Hoffmann: Ich habe da mal was total Spannendes gelesen, dass Erwachsene, ich sage es mal, die jetzt nicht ausgiebig noch Sport treiben, dass die entweder liegen, sitzen, stehen oder geradeaus laufen und nicht mal mehr rennen. Also das ist wirklich, dass so eigentlich natürliche Bewegungen total verloren gehen, so ein bisschen. Warum ist das so? Also warum haben wir verlernt, uns natürlich zu bewegen?
Stephan Scheel: Weil der Mensch faul ist. Das ist ganz einfach. Wir alle und nicht nur der Mensch, nicht nur mental ist faul. Vom Grundprinzip her, sondern unser System, unser Körper, all das, unser Gehirn, strebt immer nach Ökonomie. Also, das ist das Schöne an uns, das Positive. Der Mensch versucht, sich immer ökonomischer zu organisieren. Das tun wir mit unseren Bewegungen, so viel Energie wie möglich und so weiter. Das sehen wir auch in unserer Anatomie. Der Körper ist so gebaut und wird permanent so umgebaut, auch unser Gehirn, dass es den Aufwand so weit wie es geht reduziert, um möglichst die Energie tatsächlich zu senken. Also das ist ein Grundprinzip. Und wir verfallen einfach natürlich dieser Faulheit. Warum? Na ja, weil es im Alltag so viel einfacher ist technisch. Wir haben Autos, wir haben Handys. Ich bin als Kind noch zu meinen Freunden am Sonntag gegangen, um rauszukriegen, gehen wir spielen. Das machen meine Kinder heute nicht mehr. Meine Kinder chatten heute und sprechen dann vielleicht irgendwann mal miteinander.
Martin Hoffmann: Ob es dann überhaupt noch rausgeht spielen, ist immer eine ganz andere Seite. Also muss man auch nochmal sagen. Aber wo du gerade jetzt die Kinder ansprichst. Also meine Tochter ist drei. Und wenn ich die sehe, die ist die ist nur am rennen. Also die ist, die schläft ab und zu sitzt sie sehr selten. Aber sonst ist sie einfach das einzige Tempo, das sie hat, ist entweder Vollgas oder gar kein Tempo. Und die bewegt sich in allen Dimensionen, die kniet, die sitzt, die macht quasi Spagat, sie ist auch schon im Spagat eingeschlafen. Also unterschiedlichste Bewegungsmuster, also welche Rolle spielen denn solche Bewegungskompetenzen? Wenn wir jetzt mal dieses Zusammenspiel von Mobilität, von Koordination und von Kraft betrachten, nicht nur bei Kindern, sondern natürlich auch Jugendlichen, Heranwachsenden, Erwachsenen und auch später. Welche Rolle spielt denn so ein Konzept dahinter?
Stephan Scheel: Ich finde das Beispiel mit deiner Tochter ist ein sehr schönes. Warum? Zunächst mal sage ich jetzt ganz flapsig, also deine Tochter kennt die ganzen technischen Errungenschaften noch nicht und sie weiß vielleicht noch nicht, dass es einfach ist, sich auf den Roller zu stellen und damit irgendwo hinzufahren. Das heißt, wir kommen auf die Welt als Bewegungswesen und haben ein Programm in uns. Wir haben ein Bewegungsprogramm. Der Mensch ist ein Bewegungswesen. Und das bedeutet, dass wir all das, was wir tun, über Bewegung tun. Und da steckt ganz viel, sagen wir mal, fehlendes Wissen darüber inzwischen in unserer Gesellschaft, warum Bewegung so eine wichtige Rolle für uns spielt, warum wir denn, was wir sozusagen aus unserer Genetik mitbringen. Und das ist das, was deine Tochter tut. Sie bewegt sie so probiert aus. Warum tut sie das? Weil sie lernen will. Das heißt, wie lernen Kinder? Über Primärerfahrung. Über Anfassen, über räumliche Orientierung, über schmecken über riechen über hören. Das heißt diese ganzen primäre erfahrungen die sind nur dann machbar wenn das Kind sich dann auch bewegt. Ich habe dir erzählt dass ich im Rahmen meiner meiner Schultätigkeit auch in der Waldorfschule damals ein bisschen unterrichtet haben und da ist mir eines damals geblieben. Das nämlich unsere bewegung eine Sinnhaftigkeit hat, das heißt warum bewegen wir uns warum brauchen wir die Form von Bewegung. Und das fand ich so eine schöne Formel. Wir brauchen die Beine, um dorthin zu kommen, wo unsere Hände nachher in der Welt wirksam werden können. Eine tolle Perspektive. Warum? Weil meine Hände sind das Werkzeug meines Körpers, mit dem ich am Ende etwas finalisiere. Und das bedeutet auch, wenn wir unsere Anatomie anschauen, unsere Muskulatur sind unsere Knochen, unsere Feingliedrigkeit, wird in Richtung Hände immer feiner. Wir haben eine hohe Feinmotorung in den Händen, die habe ich in den Füßen nicht. Die habe ich im Körper, insgesamt im Körper nicht. Da habe ich große Muskeln. Aber das Entscheidende ist, die Sinnhaftigkeit, Bewegung, etwas in dieser Welt zu bewirken, zu tun. Das ist genau das, weshalb wir uns bewegen.
Martin Hoffmann: Wie gelingt es denn, wieder einen besseren Zugang zu seinem Körper zu kriegen.
Stephan Scheel: In dem du feststellst, ah, so als Kind konnte ich das, das kann ich heute nicht mehr, warum kann ich das nicht mehr? Dann gibt es verschiedene Gründe dafür, das eine ist, dass wir natürlich uns im Laufe des Lebens natürlich körperlich weiterentwickeln. Wir uns sozusagen auch spezialisieren, dass wir an diesen Stellen eben auch sagen, was sind die Bewegungsbereiche, die ich in meinem Leben brauche? Da merken wir Unterschiede auch bei Sportlern, Sportarten. Die sind nicht alle gleich ausgerichtet. Die haben unterschiedliche körperliche Voraussetzungen, unterschiedlichen Körperbau, die sich aufgrund der Sportart entwickeln. Aber es ist immer eine Frage, welche Bewegungsarten, welche Form von Bewegung brauche ich dann, um mich zu bewegen? Und das ist das, was ... Du dir als erstes die Frage stellst, nach dem Motto, okay, ich kann das nicht mehr, woran liegt das vielleicht? Welche Bewegung an sich findet bei mir überhaupt noch statt? Und wo finden sie gar nicht mehr statt?
Martin Hoffmann: Wenn wir in dem Zuge über Quantität und über Qualität sprechen, wie entscheidend ist die Qualität bei den Bewegungen, die ich ausführe?
Stephan Scheel: Ja, die ist die Entscheidende. Heißt, die Bewegungsqualität bedeutet, etwas bewusst zu kontrollieren. Bedeutet, eine Bewegung in seiner Funktionalität entsprechend richtig durchzuführen. Bedeutet eben auch, sich eine Klarheit darüber zu haben, was ich in jedem Moment tue. Also diese Bewusstheit ist, glaube ich, erst mal ganz entscheidend. Was heute immer wieder passiert, ist, dass man Dinge manchmal einfach dann auch meint, direkt zu schnell machen zu müssen. Also, diese Qualität ist zunächst einmal das Gefühl, für den eigenen Körper zu entwickeln, die Disbalancen, die Einschränkungen, sozusagen auch zunächst mal wieder herzustellen. Weil das sind die Voraussetzungen, dass sie überhaupt erst wieder eine qualitative Bewegung machen kann. Das eine ist, sie möchte es gern steuern. Das andere ist, ich kann es aber vielleicht gar nicht steueren, weil ich eingeschränkt bin in sämtlichen Gelenken, möglicherweise in der Hüfte, verkürzt in der Schulter. Das führt dazu, dass ich tatsächlich gar nicht mehr aufrecht laufen kann. Und wenn ich dann hingehe und mich belaste, dann führt das eher dazu, dass ich tatsächlich Probleme in der Hüfte bekomme, dass sich Schmerzen bekomme und so weiter.
Martin Hoffmann: Wie verändert Movement Culture das Verhältnis zu unserem Körper, wenn man das jetzt mal ins Verhältnis setzen zum leistungsorientierten Fitnessverständnis, Fitnessstudio, alles mögliche, was wir sonst alles so machen.
Stephan Scheel: Also ich bin der festen Überzeugung, es erweitert unser Verständnis. Wenn jemand heute fitnessorientiert, sich also leistungsorientiert Fitness macht, regelmäßig trainiert, Muskeltraining macht und so weiter, ist das zunächst einmal gut und wichtig. Warum? Weil wir kennen die, sagen wir, die Vorgaben, die ja die WHO an der Stelle gemacht hat, wenn es um Thema Gesundheit geht. Also diese Vorgabe erreichen ja tatsächlich nur noch knapp, ich glaube, rund 40 Prozent der Erwachsenen, 20, 25 Prozent der Älteren. Und im Bereich der Kinder liegt der Prozess ein bisschen höher.
Martin Hoffmann: Da geht es jetzt um Bewegung pro Woche zum Beispiel. Und da sind wir wirklich erschreckend, wenn man sich die Zahlen mal anguckt. Wir werden das auch noch mal in den Shownotes verlinken, dass man da vielleicht die eine oder andere Zahl mal nachschauen kann. Erschreckend wie wenig wir uns bewegen im Vergleich zu dem, was wir uns eigentlich oder wie viel wir uns eigentlich bewegen sollten.
Stephan Scheel: Und jetzt aber noch mal zurück, weil deine Frage ja war, was heißt das sozusagen im Verhältnis zu unserem Fitnesstraining, zu dem, was wir bisher tun? Wir brauchen das Muskeltraining, warum? Weil unser Alltag, unsere Muskulatur auch nicht mehr fordert. Wir fordern uns nicht mehr. Wir sitzen, wir verkürzen, wir verkümmern, wir rosten ein. Sitzen ist das neue Rauchen, wie man das schön sagt. Also Silvester Neidhardt, mit dem ich da eng zusammenarbeitete, der in dem Bereich wirklich ein toller Trainer in diesem Functional-Training-Bereich ist. Der ist mit dem Thema unterwegs, und das Entscheidende ist, auch die Muskulatur lässt im Laufe der Zeit nach. Das heißt, wenn ich sie nicht brauche, baut der Körper die Muskulsatur ab. Deshalb brauche ich Fitnesstraining, deshalb muss ich mich fordern. Auf der anderen Seite, das ist die Beantwortung der Frage, welchen Mehrwert bietet mir jetzt das ganze Movement-Culture-Thema? Nämlich, ich mach bewusster meine Bewegungen, ich mach sie konzentrierter, ich schaffe die Voraussetzungen dafür. Ich schaffe dann die motorischen Voraussetzungen, ich schaffe die Einschränkungen, versuche ich durch Mobilisationstraining, durch Stabilisationstraigning, versuch ich zunächst einmal wieder mich so zu präparieren, dass ich überhaupt in der Lage bin, eine motorisch gesunde Bewegung zu machen. Und dann muss ich mich aber auch bewegen. Also dann muss ich da auch Kraft auf den Muskel bringen, weil sonst wird das auch nix.
Martin Hoffmann: Wie sieht denn deine praktische Arbeit mit Klientinnen und Klienten aus? Geht's da auch um, ich sag es mal, so funktionale Bewegungen? Und wie weit kommt man denn wieder so ran an eine Beweglichkeit, die zum Beispiel Kinder haben? Also, bin ich jetzt total verloren? Ich bin jetzt 40?
Stephan Scheel: Also, du bist da nicht verloren, weil ...
Martin Hoffmann: Gib mir Hoffnung.
00:15:15: Ja, natürlich, Gewicht der Hoffnung, weil jeder Tag eine Chance ist, das zu ändern. Heißt, gezielt jetzt tatsächlich Mobilisationstraining zu machen für deine Hüfte, für deine Schulter, die Finger, die Füße, die Fußgelenke, all das, ja, Halswirbelsäule, das sind alles Dinge, die haben interessanterweise schnelle Effekte, weil, und das ist ein Effekt, den man nicht vergessen darf, und da liegt die Hoffnung Es ist nicht nur sozusagen die körperliche Einschränkung, die dahinter steckt, sondern dein Gehirn hat verlernt, dass es Muskeln im Schulterbereich hat, die du vielleicht nicht siehst, aber die es bräuchte, um aufrecht im Oberkörper zu sein. Und diese Muskeln, die muss das Gehirns sozusagen wiederfinden. Und das lernt man durch ausprobieren, durch trainieren, durch einfach alltagsmotorisch vielfältige Bewegungen. Das, was du vorhin angesprochen hast. Hey, mal sich zu strecken, sich zu beugen. Rauf, runter, hinstehen, ein Bein, Kopf rotieren und und und sind alles Dinge, die geben dem Gehirn den Input, ah, da sind noch Muskeln, die kenne ich und die brauche ich für meine Alltagsmotorik.
Martin Hoffmann: Was kann man denn in den Alltag ganz gut integrieren? Hast du da so zwei, drei kleine Routinen, Übungen, die man sofort machen kann?
Stephan Scheel: Ganz einfach, zunächst mal dort, wo ich als Alternative gehen kann, laufen kann, zu laufen, Punkt 1. Dann kann ich sagen, kann ich das auch zu Fuß machen? Das Zweite natürlich, so wie wir es gerade eben hatten, ruhig mal sich zu strecken, sich durchzubewegen. Weil intuitiv spüren wir alle, dass wir verkürzt sind, dass wir verspannt sind. Und dieses Gefühl, jetzt wäre es gut, mich mal zu streckten. Ja, strecken. Es ist egal, wo ich mich vielleicht gerade bewege. Wir müssen auch keinem gesellschaftlichen Ideal oder einer Konvention sozusagen genügen, sondern wenn ich das Bedürfnis habe, ich muss jetzt aufstehen in einer Sitzung. Das zu sagen, Leute, ich muss gerade mal ein bisschen aufstehen, mal rücken oder wie auch immer, dann sind das Dinge, die ich an dieser Stelle tun kann. Also es geht um die banalen Dinge im Alltag, sie einfach zu verändern.
Martin Hoffmann: Jetzt ist ja bei, also wenn ich das richtig verstanden habe, bei Movement Culture auch so dieses Gemeinschaftsgefühl wichtig, also dieses Community-mäßige, welche Vorteile hat denn Training, Bewegung in der Gemeinsschaft, wenn ich mit anderen das alles mache?
Stephan Scheel: Zum einen teile ich meine Herausforderungen mit den anderen. Gehe ich in eine Gruppe, gehe ich in ein Angebot, mache das mit einem zusammen, dann gebe ich mir zumindest oder gebe ich mir gegenüber erst mal zu: okay, ich wünsche mir, dass ich mich weiterentwickele, ich habe Themen, die ich trainieren möchte, ich möchte gesünder werden, das ist mein Bedürfnis und ich treffe auch in einer Gruppe auf andere Menschen, denen das ähnlich geht. Interessanterweise sind das ganz viele da draußen, nur geben wir das oft nicht zu, wir meinen, wir müssen funktionieren, wir meinen wir müssen perfekt sein, nein, Ich geh mit meiner Unperfektheit hat in so einer Gruppe und werde dann plötzlich als Stephan so wie ich bin angenommen, auch mit meiner Herausforderung und jeder Einzelne tut das ähnlich. Das führt dazu, dass man sich ganz anders wahrgenommen fühlt, sich ganz anders wertgeschätzt fühlt. Motiviert ist. Dran bleibt, weil man merkt, diese Gruppe hilft mir auch. Und jedes Mal, wenn ich weiß, heute Abend ist Training, heute Abend das Angebot, die anderen warten, ist es sehr viel einfacher, dem Schweinhund zu sagen: Später kannst du... Komme ich noch mal zu dir, jetzt sind erst die anderen dran. Sehen, was für eine Wirkung hat dieses Movement Culture in Richtung auch der Erwachsenen der Gesellschaft als Ganzes. Movement Culture löst die Orientierung an der normierten Leistung ab, weil es darum geht, und das ist ja ganz häufig zum Beispiel auch das Parkour-Thema, wo wir dann auch merken, junge Menschen oder Menschen, das sind inzwischen, glaub ich, nicht mehr nur junge Menschen, suchen sich tatsächlich die Auseinandersetzungen mit der Umwelt. Die suchen sich Herausforderungen. Die gehen in die Natur, die gehen in die Stadt und schauen, dass sie Hindernisse überspringen, Hindernissen überwinden. Aber das ist sozusagen eine andere Form von ... Ich möchte eine Aufgabe. Ich möchte diese Aufgabe schaffen und lösen. Und nicht, das ist die Norm, und die will ich jetzt erfüllen. Das Fatale ist, dass wir durch unser Leistungs ... Also wir in unserer Gesellschaft diese Leistung immer für uns selber als Norm nehmen, zu sagen, wann bin ich fit und wann bin ich nicht fit, wann ich gesund bin, wann nicht gesund bin. Weg davon zu sagen nicht das ist die Norm, sondern mein Körper gibt mir eigentlich vor, was ich können sollte und dann gucke ich auf die Kinder, was sie mal konnten.
Martin Hoffmann: Wenn du noch einen Tipp hast, wo du sagst, okay, wenn die Leute den umsetzen würden, dann wäre das eine gute Sache, wenn es um gesundes und oder gesunde und bewusste Bewegung geht. Ein einziger Tipp, wo du sagst okay, nehmt euch nicht zu viel vor, aber den, das wäre nicht schlecht.
Stephan Scheel: Anfangen. Wir denken viel zu viel nach. Anfangen. Wo kann ich einfach loslaufen? Schuhe anziehen, rausgehen. Schuhen ausziehen, am Arbeitsplatz stehen, anfangen. Kleine Dinge, klein, überschaubar, nicht so viel. Eine Sache ausprobieren und wenn ich merke, okay, stimmt, das funktioniert, das kriege ich in meinen Alltag rein. Dann kann ich mir das nächste vornehmen. Aber mit irgendwas anfangen! Wir sind so... Wir brauchen immer Theorien und wir brauchen immer Konzepte. Nee, einfach, ganz natürlich, normal anfangen. So wie das die jungen Menschen beim Movement Culture, beim Parkour auch tun, indem sie rausgehen und sagen, okay, jetzt versuchen wir mal, dieses Geländer so und so zu ... Die fangen an, die probieren aus. Die geben sich eine Aufgabe, und bei uns ist die Aufgabe nur, in Bewegung zu kommen, für die, die das nicht mehr können.
Martin Hoffmann: Klingt so einfach. Stephan, vielen, vielen Dank. Ich muss direkt an Forrest Gump denken. Einfach loslaufen, einfach machen. Stephan danke dir. Hab ganz viel mitgenommen für mich. Superspannend und ich habe mich sehr oft wiederentdeckt. Danke schön.
Stephan Scheel: Gerne, bitte.
Martin Hoffmann: Training in der Gruppe hat viele Vorteile und ich finde ja gerade das Thema Motivation extrem spannend. Wenn man wirklich überhaupt keine Lust auf Bewegung hat, aber verabredet ist, lässt sich der innere Schweinehund wirklich besser besiegen. Und ich muss gerade nochmal an den Tipp von Stephan denken. Also dieses Loslegen, anfangen, den ersten Schritt tun. Ich glaube damit ist schon mal sehr, sehr viel gewonnen. Jetzt geht's für mich in den Schwarzwald nach Freudenstadt. Hier bin ich mit Andy Haug verabretet. Er ist Parkour-Athlet und Freerunning-Profi. Und Parkour ist ja viel mehr als nur ein Sport. Und wenn wir über Movement Culture sprechen, dann ist Parkour und Freerunning quasi der Ursprung dieser urbanen Bewegung. Andy Haug ist ziemlich krass unterwegs, die Videos, die ich von ihm gesehen habe, Wahnsinn. Und wenn mir jemand wirklich was über die Kultur dahinter verraten kann, dann ist er definitiv einer der Top-Kandidaten. Also ich bin jetzt in Freudenstadt im Schwarzwald angekommen und hier bin ich mit Andy Haug verabredet. Und der Andy ist gerade viel unterwegs und meinte, hey Freudenstad, das passt eigentlich ganz gut, dass wir uns hier treffen. Und wir sind gerade vor dem AOK-Kundencenter und hier haben wir uns verabrettet und da ist er. Hallo, hallo Andy,.
Andy Haug: Hi, hi.
Martin Hoffmann: Andy, sag mal, wie bist du zum Parkour gekommen? Was waren deine Anfänge?
Andy Haug: Gute Frage. Ich war schon immer ein extremer Sportfan, bin mit Wintersport aufgewachsen. 2003, 2004 habe ich auf YouTube die ersten Parkour-Videos gesehen, damals aus Lettland. Und zum gleichen Zeitpunkt habe ich auch immer extrem viele Jackie Chan-Filme angeschaut. Das hat mich einfach mega inspiriert. Ich wollte mich so bewegen können wie er, weil Jackie Chan ... Sieht man ja heute manchmal noch so auf Instagram so paar Combilations, wie er praktisch so ein bisschen Parkour macht und über Autos springt, über Zäune. Und das fand ich damals einfach extrem cool. Und dann habe ich beschlossen, okay, ich fange jetzt einfach mal mit Kung Fu an, weil Parkourvereine gab es damals noch gar nicht so und habe mir dann praktisch im Kung Fu, was relativ viel mit Akrobatik zu tun hat, praktisch die Sachen dann hergeleitet und so ging es dann eigentlich los.
Martin Hoffmann: Wo kommt die Faszination dafür her, auch so einen Weg auf dich zu nehmen?
Andy Haug: Also ich bin Christ und habe einfach gemerkt, dass das irgendwie Gottes Weg für mich ist. Also ich habe innerlich immer diesen Kompass gehabt und der hat mich einfach zu dieser Sportart geführt. Und durch Kung Fu hat man dann Shaolin-Mönche beobachtet und die machen ja die krassesten Sachen überhaupt da. Und so kam das dann einfach, dass ich dann praktisch gemerkt habe, okay, ich kann das Kung Fu eigentlich weglassen und kann dann mehr Richtung dieser Akrobatik, diese Streets-Stunts dann, so habe ich es damals noch genannt irgendwie so, das dann machen.
Martin Hoffmann: Wann war der Moment, als dir klar wurde, dass es eigentlich jetzt mehr ist ein Hobby? Das ist Bewegungskultur für mich hier, was ich hier mache.
Andy Haug: Ich glaube so 2008 rum, wo ich dann diese Kindheitsphase hinter mir hatte, wo man sich dann einfach auch als Mensch neu orientiert, in welche Richtung möchte ich mich entwickeln und so. Und da habe ich gemerkt, dass Parkour einfach wie bei anderen Leuten Skateboarden oder Snowboarden ist, dass für mich einfach so ein Lifestyle ist und habe mich da einfach voll drauf eingelassen.
Martin Hoffmann: Gab es da so einen Moment, wo du dich dran erinnern kannst, wo du sagst, okay, das ist jetzt mehr, das wird mein Leben werden?
Andy Haug: Ich glaube, das war bei mir nicht von einem Tag auf den anderen, sondern es war so ein schleichender Prozess. Ich hab mich immer mehr in diese Sportart verliebt durch die ganzen YouTube-Videos und dann auch die ersten Bilder auf Google. Und so, und hab mich mit diesen Athleten identifiziert, die damals schon ein bisschen älter waren wie ich und die Sportart dann auch schon ein wenig länger gemacht haben. Weil in Deutschland kam die Sportart auch erst ein bisschen später an. Und dann hatte ich die als Vorbilder und gerade so in dem Teenie-Alter. praktisch, habe ich gemerkt, okay, das ist so ein richtiger Lifestyle. Also ich trainiere jetzt nicht nur Parkour, sondern ich atme auch noch Parkour. Weißt du, was ich meine? Und ja, so ging es dann los.
Martin Hoffmann: Aber wie hast du gemerkt, ich kann mich hier ausdrücken? Ich kann hier so meine Persönlichkeit vielleicht auch durch den Sport und durch die Tricks und durch diese Art und Weise, wie du das machst, zeigen.
Andy Haug: Also ich glaube, Parkour ist so eine Sportart, wo wirklich für jeden da ist. Man hat jetzt kein spezielles Regelwerk, sondern jeder kann seine eigene Kreativität einbauen. Es gibt Athleten, die haben extrem krasse Beine, die können extrem weit springen. Oder andere Athleten sind super leicht und können sich daher richtig oft drehen beim Salto oder so. Und so habe ich dann probiert, einfach meinen Mittelweg zu finden, mich selber. kreativ auszuleben, von anderen inspirieren zu lassen und vielleicht so ein Trick so kopieren, aber auf meine Art und Weise dann noch von mir was reinzubringen. Und so einfach kann sich jeder die Sportart eigentlich so hinlegen, wie er selber braucht. Und ich glaube, das ist einfach das Coole daran.
Martin Hoffmann: Wie würdest du so deinen eigenen Stil beschreiben, wenn du sagst, manche haben halt diese starken Beine, dann Gewicht und irgendwie sowas, wie machst du das, wie bist du?
Andy Haug: Gute frage im jetzt im höheren alter würde ich mal sagen weniger flips wie früher sondern eher...
Martin Hoffmann: Also Flips so, Salto, rückwärts, vorwärts, Drehung, sowas in der Art.
Andy Haug: Genau, genau. Also so die Basic-Flips mache ich immer noch unglaublich gern. Aber jetzt, da ich über die Wettkämpfe, mein Style oder meine... Durch mein Alter hat sich das einfach so ein bisschen geändert. Die jetzige Generation, die auch beim Weltcup in Freestyle startet, das ist so die erste Generation, die komplett in diesen Parkourhallen aufgewachsen ist. Und ich war damals zum Beispiel erst mit 21 das erste Mal in einer Turnhalle. Also man merkt, da ist schon ein jahrelanger Unterschied. Und man merkt jetzt einfach, dass die Kinder von heute, also Kinder in Anführungszeiten, die ganzen Jugendlichen, die sind einfach super krass. Und dann habe ich gemerkt, okay, das Freestyle macht mir Spaß und werde ich auch weiterhin machen für mein Training, aber beim Wettkampf spare ich mir dann lieber die Energie und mache dann die Speed-Wettkämpfe, wo ich dann eher mit meiner Erfahrung und mit meiner Technik profitiere. Deswegen so, ich glaube, mein Mix ist einfach, ich trainiere beides unglaublich gern, aber mein Fokus ist eigentlich auf dieser Speed-Disziplin. Einfach wegen dem Alter auch so ein bisschen.
Martin Hoffmann: Welche Bewegungen, welche Fähigkeiten trainiert Parkour, die, wenn du jetzt im Alltag, du gehst durch eine Fußgängerzone und da sieht man ja doch die eine oder andere Person, die sich ein bisschen anders bewegt. Also die im Alltag fehlen. Wo sagst du, das kann Parkour leisten als als Sport, die dich trainiert. Was fehlt im Alltag?
Andy Haug: Spannende Frage. Ich glaube generell, dass wir Menschen uns zu wenig bewegen mittlerweile. Dass die Alltagsbewegung zu niedrig ist. Und durch dieses Parkour kann man eigentlich 100 kleine Abkürzungen nehmen. Das ist jetzt ein Widerspruch an sich, aber wenn man zu spät zum Zug ist oder zur Bahn, dann kann man hier über die Parkbank springen und da noch die Mauer hoch und man ist da irgendwie so. Also das Parkour-Auge. Wächst oder wächst immer mit, das schläft nie. Man sieht immer neue Spots und auch neue Herausforderungen. Und für die hält man sich dann dann auch fit. Und ich glaube einfach, dass dieser Leitsatz von Parkour sei stark, um brauchbar zu sein, praktisch, wenn man es übersetzt, dass der in uns verankert ist. Das heißt, du fängst mit Parkour an, das ködert dich und dann guckst du auf deine Ernährung. Du machst dann deinen Krafttraining. Du du dehnst dich. Also das Spektrum wird dann immer, immer größer. Und du achtest dann auch komplett auf dich anders und auf die Umgebung.
Martin Hoffmann: Wenn ich mir, ich habe mir viele Videos angeguckt, also von dir habe ich mir viel angegückt, aber ich habe es mir auch als von anderen Parkour-Athletinnen, -Athleten, Freerunning habe ich auch reingeguckt und mir ist aufgefallen, also ihr könnt alle unglaublich gut fallen, also ihr könnt euch abrollen immer wieder. Ihr könnt, ihr bewegt euch nicht normal irgendwie geradeaus, vorwärts, rückwärtes, sondern irgendwie ihr bewegt euch in allen Dimensionen unglaublich schnell, Richtungswechsel und alles. Das sind ja schon Sachen, die man jetzt so im Alltag eigentlich nicht trainieren würde, oder?
Andy Haug: Ja, das stimmt. Also ich denke immer, so ein Parkour-Park oder die Location, wo man trainiert, ist praktisch wie eine Leinwand und man selber ist der Pinsel und probiert dann einfach ein cooles Kunstwerk draus zu machen und sich kreativ zu bewegen. Und da hat jeder seinen eigenen Style. Und ja, das Hinfallen ist natürlich eins der Dinge, die man beim Parkour schnell lernt, weil das gehört einfach dazu. Passiert, ne? Genau, genau. Und da gibt es aber dann spezielle Techniken, wie man sich einfach abfangen kann oder abrollt oder so. Und der Mensch lernt unglaublich schnell, also man kann in kurzer Zeit auch beim Parkour extrem viel erreichen und den Körper darauf vorbereiten. Und das ist einfach extrem cool, also man kann sich immer wieder neu herausfordern, der Körper kommt mit, und ja...
Martin Hoffmann: Würdest du sagen, na ja, auch wenn man jetzt jenseits der 40 ist, kann man damit noch anfangen?
Andy Haug: Ich glaube schon, Parkour ist wirklich für jeden da und wichtig ist, dass man sich nicht mit den anderen vergleicht, sondern dass man seinen eigenen Weg geht und Parkour für sich selber macht und man kann sich dadurch einfach extrem fit halten. Also ich habe schon Instagram-Videos gesehen von Athleten, die zum Teil auch schon über 60 waren oder so, klar die machen das ganz anders, aber die sind trotzdem dabei und benutzen diese Sportart und das ist extrem inspirierend, weil im Prinzip ist es so Ich habe zwar mit 13, 14 mit Parkour angefangen, aber ich war davor schon im Garten oder so immer am Klettern. Also eigentlich habe ich das schon immer so gemacht und ich habe eigentlich auch nicht vor, wenn ich Parkour irgendwann mal wettkampftechnisch aufhöre, heißt aber nicht, dass ich Parkur aufhöhe, sondern ich probiere mich einfach durch die Sportart fit zu halten. Und ich glaube auch deswegen, weil man halt so vielseitig trainiert mit Krafttraining und Beweglichkeit und so, ist es ist einfach auch eine Sportart für ältere.
Martin Hoffmann: Jetzt ist mir auch bei den Videos so ein bisschen aufgefallen, also Verletzungen ist auch ein großes Thema bei euch. Wie kriegst du danach wieder das Vertrauen in deinen Körper zurück?
Andy Haug: In den letzten Jahren habe ich zwei, drei Tricks gemacht, wo ich gestürzt bin und seitdem hat mein Gehirn praktisch eine Blockade. Sobald mein Körper merkt, ich will diesen Move machen, dann blockiert er komplett. Also ich habe gerade zwei Tricks im Hinterkopf, wo das immer noch so ist und ich mich immer noch rantaste. Es kann manchmal sein, dass es nach einer Woche dann wieder klappt oder nach einem Monat oder manchmal auch zwei Jahre, so wie bei mir gerade, wo man innerlich so ein bisschen verrückt wird. Aber ich glaube, man muss sich einfach rantasten. Also erst mal muss man auf seinen Körper hören und dann wissen, okay, ich bin jetzt wieder bereit dafür. Dann sollte man sich einfach Step-by-Step rantasten, am besten auch noch mit jemandem, der Hilfestellung gibt und einfach einen mental supportet, weil das extrem viel ausmacht, gerade bei so einer Sportart. Und dann einfach das irgendwie probiert in einer anderen Version vielleicht, irgendwie vielleicht mit Matten oder so. Und dann ist es auch so, dass wenn man eine Bewegung mehrmals gemacht hat, dass der Körper sich dann eigentlich auch wieder dran erinnert. Manchmal muss man nur wissen, wie man ihn kurz austricksen kann.
Martin Hoffmann: Wie läuft denn so ein Training bei dir ab? Ist es sehr strukturiert oder ist es auch so ein bisschen, ich höre auf meinen Körper sehr intuitiv?
Andy Haug: Generell ist es so, dass es schon für mich sehr strukturiert ist. Also ich mache mir selber meine eigenen Pläne, meine eigenen Ideen und habe dann so eine Struktur drin. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass es für mich eine Freestyle-Sportart ist und ich trotz aller Ernsthaftigkeit beim Training diesen Fun-Faktor nicht verlieren will. Deswegen ist es oft so... Habe ich zum Beispiel das und das eigentlich vor, aber ich trainiere dann doch irgendwie was anderes, weil es gerade mehr Spaß macht. Das ist natürlich, wenn man Richtung Wettkämpfe schaut oder so, wie es bei mir halt dann auch ist, ist es dann oft so, dass man mal kurz vor der Saison einfach nur noch in diesem richtigen Training drin ist, dann ist der Spaß manchmal nicht so ganz gegeben. Das ist jetzt natürlich nicht so cool, weil eigentlich ist das ja auch ein Widerspruch an sich, Parkour und Wettkämpfe, aber es gibt trotzdem Leute, die das machen, so wie ich. Generell ist es so, Parkour soll einfach nur Spaß machen und das ist das Wichtigste.
Martin Hoffmann: Jetzt habe ich bei dir gelesen, nach deiner Ausbildung gings glaube ich für dich dann nach Thailand und da hast du aber nicht nur Parkour gemacht, sondern da warst du doch auch als Stuntman unterwegs für Fernseh, für Film, für Kino irgendwie. Erzähl mal, wie kamst denn dazu?
Andy Haug: Es war halt damals ein Punkt erreicht, wo ich dann einfach diese Sportart irgendwie beruflich machen wollte und ich hatte dann einfach die Möglichkeit, so Parkour-Stunts zu machen. Also ich war jetzt praktisch Stuntman für diese ganzen Parkour Dinger. Ich war jetzt nicht wirklich so einer, der jetzt mit dem Auto rumfährt und driftet.
Martin Hoffmann: Also kein brennendes Haus, du fliegst raus oder irgendwie sowas, sondern...
Andy Haug: Nee, nee, also ich...
Martin Hoffmann: Du hast gerade nachgedacht, ob das dabei war.
Andy Haug: Ich bin auch mal durch eine Glasscheibe oder so gesprungen, also im Parkour-Sprung. Aber es war schon immer auf Parkour bezogen, weil man das einfach da so gelernt hat. Und ich hatte einfach die Möglichkeit, nach Thailand zu gehen, nach Bangkok, war da ein paar so Kung-Fu-Filme praktisch dabei.
Martin Hoffmann: Also auch wieder doch Kung-Fu, ne? Also dann kommt da die Verbindung da, okay.
Andy Haug: Genau, da hat sich irgendwie der Weg geöffnet. Also das war, wie gesagt, ich glaube einfach, dass... Als Christ, glaube ich einfach an Gott und ich habe einfach diesen Kompass in mir gehabt und deswegen kamen all diese Möglichkeiten. Und so ging es dann und habe dann da als Stuntman ein bisschen gearbeitet, als Parkour-Stuntman und habe mir praktisch so das Geld verdient und habe aber damals schon gemerkt, dass ich eigentlich eher der Sportler bin. Und zum Glück hat sich dann zu der gleichen Zeit diese ganze Wettkampf-Bühne gebildet.
Martin Hoffmann: Jetzt hast du vorhin schon gesagt, naja, eigentlich ist es ein Widerspruch so ein bisschen. Wettkampf, wie du gerade eben sagst, und auf der anderen Seite so diese, ich sage es mal, Kultur da außen rum. Dieses, ich will mich eigentlich bewegen und ich will irgendwie, ich habe mal gelesen, so diese gerade Linie irgendwo finden im Gelände oder in der Stadt. Worin unterscheidet sich das? Auf der einen Seite Parkour als Leistung-, als Wettkamfsport, weil das ist ja dann auch Leistungssport. Und auf der andern Seite die Bewegungskultur.
Andy Haug: Ich glaube, wir haben jetzt so einen Punkt erreicht mit der Sportart, wo es eigentlich wie damals beim Slopestyle Snowboarden oder Free Skiing war, wo sich die FIS, die Sportarten, gekrallt hat. Und so ist es beim Parkour auch, dass die FEG kam und gesagt hat, hey, wir machen jetzt Parkour-Weltcup und nicht nur Turnen. Und an sich ist es ein Widerspruch an sich, weil wir sind eine kreative, freiliebende Sportart. Und die Wettkämpfe, du bist immer irgendwie eingeschränkt. Du hast ein bestimmtes Wertesystem, was du erfüllen musst, oder bestimmte Regeln, an die du dich irgendwie halten musst, auch beim Speed. Und eigentlich ist ja so, dass jeder seinen eigenen Weg gehen sollte. Ich finde es trotzdem eine coole Möglichkeit, diese Wettkämpfe zu machen, weil man sieht die Welt, man lernt neue Leute kennen. Und auf der anderen Seite fühle ich mich aber auch eingeschränkt. Ich würde gerne anziehen, was ich will beim Wettkampf, oder so Sachen. Deswegen ist es eigentlich schon ein Widerspruch an sich. Aber ich glaube einfach, dass es der Sportart gut tut, dass wir unter so einem Verbandsdach sind und dass sich das dann schon auch über die Jahre hinweg in eine richtige Richtung entwickeln wird.
Martin Hoffmann: Was macht für dich denn diese Community, also diese Parkour-Community, besonders?
Andy Haug: Also ich glaube, die Parkour-Community ist einfach ein cooler Haufen, sozusagen. Du kannst, also wie gesagt, ich war letzte Woche in Zürich und du kannst einfach Leute anschreiben in Zürich, die parkour machen und da ist sofort immer jemand bereit, der dich durch die Stadt führt und die besten Spots dir zeigt und mit dir nach dem Mittagessen geht und du hast einfach eine gute Zeit mit allen, die Parkour machen. Und dadurch, dass man eh auf so einer ähnlichen Welle surft, kommt man eigentlich mit jedem immer gut aus und ich finde gerade Parkour ist, wettkampftechnisch ist es irgendwie schon eine Einzelsportart, aber für mich ist Parkour eigentlich auch so ein Team Ding, weil man trifft sich zusammen, man macht neue Challenges, man gibt sich Tipps, man kann es von anderen abschauen und das ist einfach ein extrem großer Faktor, den man nicht unterschätzen darf, weil so die Gemeinschaft schon einfach extrem cool ist.
Martin Hoffmann: Also Zürich, höre ich raus, ist gar nicht so verkehrt, um da irgendwie den ein oder anderen Trick zu machen. Gehen wir mal auf Baden-Württemberg gucken. Gibt es da irgendwelche Städte, wo du sagst, das ist genau, die ist perfekt für Parkour?
Andy Haug: Also Stuttgart, Karlsruhe und was ich ziemlich underrated finde, aber richtig cool, ist Baden-Baden. Das ist so ein bisschen mein Homespot mittlerweile und da gibt es extrem coole Sachen. Baden-Baden liegt so ein wenig am Berg, das heißt, man kann praktisch oben anfangen und sich langsam runterarbeiten. Das sind schon so meine Favorites hier in Baden-Württemberg.
Martin Hoffmann: Bei Kindern, Jugendlichen, aber auch, ich sag es mal, bei Erwachsenen oder eventuell ein paar bisschen älteren Semestern. Wenn die mit Parkour anfangen möchten, was sind so erste Bewegungen, wo man sich nicht gleich die Knochen bricht, aber so reinkommt und so ein Gefühl gleich davon kriegt, dass es halt schon was anderes ist fürs Bewegen.
Andy Haug: Also generell würde ich immer empfehlen, mal mit dem Präzisionssprung anzufangen. Man springt praktisch von A nach B und probiert präzise zu landen, ohne die Kontrolle irgendwie zu verlieren. Das ist praktisch so dieser Basissprung, den man später dann auch auf Geländer machen kann, auf Mauern etc.
Martin Hoffmann: Aber mach den erst mal auf den Boden.
Andy Haug: Genau, die meisten Leute meinen immer, Parkour ist, man springt von Dach zu Dach und so, aber eigentlich ist Parkour eigentlich auf dem Boden. Also, man kann für Bilder und Videos mal auf dem Dach gehen, aber das macht man eigentlich nicht. Das hat eigentlich mit dem Parkour-Training an sich weniger zu tun. Ich glaube, das eigentliche Training ist eigentlich am Boden. Man springt auf den Bord schnell mal mit dem Präzisionssprung. Danach kann man irgendwie probieren, solche Strides zu machen, das heißt man springt von einem Bein auf das andere, wie so Riesenschritte, über ein Hindernis oder auf ein Hinderenis drüber, dann noch so einen Bandsprung zum Beispiel, ein Abrollen, und dann ist man eigentlich schon erst mal gut bedient. Die meisten, die bei mir ein Parkourworkshop schon machen, die haben am nächsten Tag erst mal richtig Muskelkater, weil sie dann Muskeln trainiert haben, die sie wahrscheinlich ihr Leben lang noch nie so in dieser Art trainiert haben. Und wenn man da dann schon so ein Gefühl für seinen Körper bekommen hat, Dann kann man wieder die nächsten Übungen machen. Ich würde immer sagen, klein anfangen, Schritt für Schritt. Am besten holt man sich irgendwie noch einen Parkour-Verein. Mittlerweile gibt es extrem viele Parcourvereine oder andere Leute, die man über Social Media kennenlernt, die Parcou machen. Da kann man eigentlich immer mitgehen, dass jeder immer dafür zu haben, jemand in die Sportart reinzuführen. Und ich glaube, so sind die ersten Schritte.
Martin Hoffmann: Also wer da Inspiration braucht, am besten bei deinem Instagram mal vorbeischauen, werden wir verlinken, also dass man da direkt auch zu dir kommt.
Andy Haug: Ja, sehr, sehr gerne und kann dann auch intern vernetzen, wer bei ihm oder bei derjenigen in der Nähe wohnt, dass man einfach zum Parkour kommt. Das ist schon wichtig.
Martin Hoffmann: Ja, ziemlich cool. Noch eine Frage, du hast zwei Kinder, wie weit sind die schon hier in dem Parkour-Game drin oder einfach nur in, ich sage es mal, kindlicher, natürlicher Bewegungsform? Was machst du mit denen?
Andy Haug: Also ja, meine Kinder, da passe ich natürlich schon auf, dass die zum Sport erzogen werden. Also nicht nur, hey, du musst jetzt Sport machen, sondern dass es denen einfach auch Spaß macht. Und bei meiner Ältesten war es so, die ist jetzt jahrelang ins Kinderturn gegangen, geht jetzt ins Ballett und dann bin ich auch mal gespannt, wo da die Reise endet. Bei meiner Jüngsten habe ich schon gemerkt, dass sie eher so jemand ist, der vielleicht, oder die dann irgendwie mal Parkour machen wird. Sie ist so ein bisschen kleiner Draufgänger und hat nicht so viel Angst. Das ist, glaube ich, nicht ganz verkehrt. Also man muss beim Parkour schon immer aufpassen, was man macht. Aber so ihre Eigenschaften sind schon eher so ein bisschen freestylemäßig. Deswegen sehe ich sie langfristig schon eher beim Parkour, aber generell Kinderturnen, einfach viel Bewegung, andere Sportarten ausprobieren. Ich glaube, das, was mal als Kind lernt, ist nie verkehrt. Man sollte einfach mal den ganzen Körper irgendwie ausprobiert haben. Und genau, dann mal schauen.
Martin Hoffmann: Die finden aber schon ziemlich cool, was Papa da so beruflich macht, oder?
Andy Haug: Ja, also ich schaue öfters mal so ein Video an und ich komme gerne mal heim und sage, hey, ich habe heute den Sprung gemacht und dann schauen sie das schon an. Wie arg sie das jetzt schon checken, weiß ich noch nicht, aber sie gucken es manchmal so 10, 20 Mal hintereinander an. Also ich glaube, irgendwie...
Martin Hoffmann: Irgendwie bleibt es doch hängen. Das ist schon viel. Cool. Andi, vielen, vielen Dank. Superspannender Einblick. Danke dir.
Andy Haug: Ich danke euch für die Möglichkeit. Vielen Dank.
Martin Hoffmann: Nach dem Gespräch mit Andi will ich eigentlich direkt losrennen und über Hindernisse springen. Aber vielleicht sollte ich meinen 40-jährigen Körper etwas schonender an diese Form der Bewegung ranführen. Wie Andi aber sagt, naja, also Parkour, die Sportart ist für alle Altersklassen da, weil das Schwierigkeitslevel kann sicher jeder und jede selbst bestimmen. Den Community-Gedanken, da muss ich sagen, den finde ich schon wirklich ziemlich cool. Und ich denke gerade nochmal an Stephan, was er gesagt hat, naja, mit dem Losstarten, mit dem ersten Schritt gehen, auf seinen eigenen Körper hören und ruhig auch mal Grenzen überschreiten und sich selbst fordern, das nehme ich aus dem Gespräch auf jeden Fall mit für mich. Wie sieht es denn bei euch aus? Seid ihr schon Teil der Movement Culture oder habt ihr vielleicht Lust bekommen, zum Beispiel bei einem Lauftreff oder sowas in der Art mal mitzumachen? Wenn ihr Anregungen braucht, schaut gerne mal in die Shownotes. Hier haben wir für euch ein paar Adressen und Events zusammengetragen. Und natürlich könnt ihr euch auch gerne in den Kommentaren direkt unter dem Podcast oder auf Instagram dazu austauschen. @gesundnah nach und dann direkt unter das Reel kommentieren. Gleiches gilt natürlich auch für Fragen und Anregung oder Themenvorschläge. Immer gerne her damit. Wenn euch der Podcast gefällt, abonnieren, bewerten, teilen. Ihr kennt das Spiel. Vielen, vielen Dank dafür. Wir freuen uns, wenn ihr auch das nächste Mal wieder dabei seid. Ich bin Martin Hoffmann. Wir hören uns.
Outro: GESUNDNAH – der Gesundheitspodcast der AOK Baden-Württemberg.
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